
All is lost
„Redford spricht nicht. Warum auch? Zu wem sollte er reden? Zum Wind? Zum Schöpfer? Das Meer ist taub. Jedes gesprochene Wort wäre hier nur feiger Lärm, um die eigene Angst zu übertönen.“
USA 2013 | Regie: J.C. Chandor | Laufzeit: 106 Min.
Das Wasser kennt kein Mitleid. Es schlägt. Es bricht. Es schluckt.
In den unendlichen Wassermassen des Indischen Ozeans gibt es kein Drehbuch, kein großes Reden und keinen Applaus. Es gibt nur Holz, Metall, Fleisch – und das Sterben. J.C. Chandor inszeniert mit All Is Lost kein gefälliges Hollywood-Kino, sondern eine archaische Messe über das nackte Überleben. Es ist das ultimative Experiment des Ein-Mann-Films: Eine radikale Reduktion, die den Zuschauer zwingt, 106 Minuten lang einer einzigen Kreatur beim Verfallen zuzusehen. Keine Nebenfiguren, die vom Grauen ablenken. Keine Dialoge, die die Einsamkeit weichspülen. Wenn du einen Schauspieler so isolierst, nimmst du ihm jede Rüstung. Es ist eine filmische Hinrichtung auf offener See.